drucken / printAus der Geschichte der Kaiserau

Download eines Beitrages von "Da Schau her - Die Kulturzeitschrift aus Österreichs Mitte", 2/2010, 31. Jhg. von Johann Tomaschek:

"Dieses anmutige Alpenthal mit seinem freundlichen Schlosse ..."
- Vor 850 Jahren wird die Kaiserau das erste Mal urkundlich genannt!


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Ein Stimmungsbild aus der Zeit der Romantik


Im Jahre 1807 unternahm der Naturforscher Franz Sartori eine Reise durch die Obersteiermark, wobei er sich auch einige Tage im Stift Admont und auf der Kaiserau aufhielt. In Sartoris Reisebeschreibung ist folgender stimmungsvolle Bericht zu finden:

… Die Straße führt im Süden des Stiftes den hohen Lichtmessberg hinan, und wenn man auf eine Höhe gekommen ist, wo man nichts mehr hört als das Zirpen der Buchfinken – da wird man nicht wenig überrascht, in diesen Höhen ein Tal zu finden, das mit wogenden Getreidefeldern bedeckt und von einem Schloss geziert ist, das durch die Schönheit seiner Lage einen angenehmen Eindruck macht. Eine Allee von jungen Bäumen führt zu dem einladenden Schlosstore. Das Schloss selbst ist im Innern mit komischen Jagdgeschichten bemalt. Wenn man das Vergnügen hat, bei reiner Alpenmilch und frischer Alpen-Butter die Vorteile der steiermärkischen Almwirtschaft zu genießen, dann tausche ich eine Stunde dieses Genusses nicht für viele Tage in der großen Stadt ein …

Alm- und Schwaigenwirtschaft seit dem hohen Mittelalter

Die von Sartori an der Kaiserau so sehr gerühmte „steiermärkische Almwirtschaft“ in dem auf 1127 Meter Seehöhe gelegenen Tal am Fuße des Kalblings konnte zu dieser Zeit bereits auf eine vielhundertjährige Tradition zurückblicken. Schon im Jahre 1160 wird erstmals ein bäuerliches Anwesen mit dem Namen „Chaeserowe“ urkundlich genannt. Daraus wird auch ersichtlich, dass die Kaiserau ursprünglich nichts mit einem Kaiser, wohl aber mit dem Käser zu tun hatte. Die Kaiserau war jedenfalls schon in mittelalterlicher Zeit ein Schwaige, also ein bäuerlicher Betrieb zur Milcherzeugung und Herstellung von Milchprodukten, der zu den größten in der Umgebung gehört hat.

Vom bäuerlichen Anwesen zum klösterlichen Meierhof

Der in wirtschaftlichen Dingen erfolgreiche Abt Valentin Abel übernahm im Jahre 1551 von dem bäuerlichen Inhaber, der sich nach seinem Anwesen „Kaiserauer“ nannte, dessen Besitztum auf dem Tauschwege und gab ihm dafür ein Gehöft im Pölstal. Damit wurde die Kaiserau zu einem vom Stift Admont in Eigenregie betriebenen Meierhof, der in der Folge auch nie mehr veräußert oder verpachtet, sondern stets von Amtsträgern des Klosters bewirtschaftet wurde.

Für die Übernahme des alten Kaiserauer-Gutes in die Eigenregie des Grundherrn dürfte ein damals ganz aktueller Umstand bestimmend gewesen sein, der nicht von vornherein mit der Landwirtschaft zu tun hatte. Um eben diese Zeit eröffnete nämlich der auch an allen technischen Neuerungen interessierte Abt in dem Hochtal einen offenbar sehr ertragreichen Bergbau auf Eisen, und da war es jedenfalls von Vorteil, die Knappen zumindest zu einem großen Teil vor Ort mit Lebensmitteln zu versorgen. Der Bergbau kam allerdings schon nach wenigen Jahrzehnten auf staatlichen Druck zum Erliegen, doch wurde die große Schwaige auch weiterhin als Eigenbetrieb geführt und diente nun vor allem dazu, die Stiftsküche mit Milchprodukten zu versorgen.

Ein Jagdschloss in der Almenregion

Ein weitgehend neues Aussehen und eine zusätzliche Funktion erhielt das bis dahin bäuerlich wirkende Meierhof-Gebäude auf der Kaiserau unter Abt Anselm Luerzer (1707–1718). Dieser Prälat, der die prächtige Landschaft liebte, ließ das Wohngebäude zu einem lang gestreckten, zweigeschossigen Jagdschloss ausbauen, in dem er nunmehr auch hochrangige Gäste aus geistlichem und weltlichem Stand mit angemessenem Komfort beherbergen konnte.

Sein übernächster Nachfolger, Abt Matthäus Offner, setzte dann in der Zeit um 1777 einige weitere bedeutsame Akzente im äußeren Erscheinungsbild des Schlosses auf der Kaiserau: Er ließ das Gebäude noch weiter vergrößern und die Räume in überaus origineller Weise mit heiteren Jagd- und Genreszenen ausmalen. Der große Speisesaal erhielt ein Deckenfresko mit einer Darstellung der Jagdgöttin Diana und weiterer Gestalten der antiken Mythologie. Die Hauskapelle wurde mit einem hübschen kleinen Stuckaltar versehen und der Stiegenaufgang mit einem prächtigen schmiedeeisernen Gitter abgeschlossen.

Alm- und Landwirtschaft im 19. Jahrhundert

Sosehr die Kaiserau im 18. und 19. Jahrhundert zum Inbegriff von Jagdlust und geselligem Leben geworden war (auch einige gekrönte Häupter waren damals in dem Schloss zu Gast und schienen damit den Namen des Hochtales nachträglich zu rechtfertigen), so stand doch weiterhin die landwirtschaftliche Nutzung im Vordergrund. Auf den Weiden rund um das Schloss tummelten sich in der warmen Jahreszeit etwa 70 Kühe, 50 Ochsen, ebenso viele Stück Galtvieh, 50 Schafe und 30 Ziegen, doch blieben mehrere Tiere für den Hausbedarf auch im Winter in den Stallungen. Die Fässer für die Butterbereitung wurden nicht von Hand, sondern von einem oberschlächtigen Wasserrad getrieben, und um die sommerliche Heuernte zu beschleunigen, rief man die Sennerinnen der höher gelegenen Almen zur Mithilfe herbei.

Brandkatastrophe und Veränderungen in jüngerer Zeit

Wenn auch in neuerer Zeit nicht mehr die Ausübung des edlen Waidwerks im Vordergrund stand, so blieb die Kaiserau doch bis ins 20. Jahrhundert eine Stätte geselliger Gastlichkeit für den Admonter Konvent und nach wie vor eine Stätte reger landwirtschaftlicher Betriebsamkeit. Wegen ihrer ökonomischen Bedeutung hatten sie die politischen Machthaber der NS-Zeit nach der Enteignung des Stiftes als Außenstelle in das Konzept der „Reichsforschungsanstalt für alpine Landwirtschaft“ einbezogen, und in eben dieser Funktion ist das Schloss Kaiserau mit den Wirtschaftsgebäuden am 3. September 1942 von einem verheerenden Brand weitgehend zerstört worden. Erst acht Jahre später, als die Admonter Benediktiner schon längst wieder in ihr Ordenshaus zurück gekehrt waren und ihren Besitz zurück erhalten hatten, konnte das ehemalige Jagdschloss in vereinfachter Form – großteils nur mehr als eingeschossiges Gebäude – von dem Admonter Baumeister Poitzi wiederhergestellt werden.

Die Alm- und Schwaigenwirtschaft wurde hierauf noch bis in die 1970er-Jahre betrieben. Dann aber wurde die Milchproduktion eingestellt und es kamen nur mehr Jungtiere als Almvieh über den Sommer auf die Kaiserau. Der riesige Kuhstall war damit funktionslos geworden und wurde im Mai 2006 abgebrochen.